Was ist Schreiben heute? fragte heute Le Monde und findet erstaunliche Antworten: interaktiv und kollaborativ – oder »Interactive Fiction«. Ausgerechnet in Paris, im Land der Zweiwortparser mit den liebevollen grafischen Illustrationen, in dem
seit 1991 kein kommerzielles Textadventure mehr erscheinen konnte. Oder anders eben: Mit
Le Réprobateur lieferte
François Coulon 2008 ein digitales Kunstwerk, das man
interaktives Comic nennen könnte. Einige Jahre zuvor mischten Andrew Stern und Michael Mateas mit dem experimentellen digitalen Theaterspiel
Façade die Szene auf, in dem der Spieler je nach Gemütszustand und Aktionen in eine andere »Wer hat Angst vor Virginia Woolf«-Szenerie stolpert. Der äußerst lesenswerte dreiseitige Beitrag »
Hin zu einer interaktiven kollaborativen Literatur« ist weit mehr als ein Plädoyer für gemeinsame Projekte mehrerer Autoren. Es ist eine Hommage an antike Erzählformen wie Homers Ilias- und Odyssee-Saga, ein Aufruf »
Back to the roots« des substanziellen Erzählens als Wurzel der Zivilisation.