Der
Grand Prix 2010 hat Spaß gemacht. Das hat nicht nur mit einer gewissen Ausgedörrtheit nach der vierjährigen Pause zu tun, die Wettbewerbsbeiträge haben auch in mehrfacher Hinsicht überrascht. Zunächst fällt die Vielzahl der verwendeten, teilweise tot geglaubten Autorensysteme wie T.A.G. oder das inzwischen auf Java getrimmte Floyd auf, die wie ein Affront gegen den Quasi-Standard Inform 7 wirken. Positiv überraschen auch herausragende Spielideen, durchdachte Konzepte und handwerklich erstklassig umgesetzte Spiele sowie einige neue Namen.
Die größte Überraschung des Wettbewerbs war für mich das das Marsabenteuer von Michael Baltes, der die Spieler mit seinem Shuttle im Olymp der deutschsprachigen Textadventures landen ließ. Die hohe sprachliche und handwerkliche Qualität von Ares hat Maßstäbe gesetzt, die einer erstklassigen konzeptionellen Arbeit geschuldet sein dürften. Auch wenn Cave-crawl-Abenteuer nicht ganz mein Geschmack sind: In diesem Spiel stimmt fast alles, es ist von Anfang bis Ende durchdacht. Den anderen Spielen auf den ersten Plätzen merkt man die konzeptionelle Arbeit ebenfalls deutlich an, die ich hoch zu bewerten neige.
Ich habe die Spiele wie von den Jurorenregeln vorgeschlagen maximal 90 Minuten getestet und am Ende, wo zeitlich kein Durchkommen absehbar war, auf die Walkthroughs zurück gegriffen. In die Bewertung flossen der atmosphärische Gesamteindruck, die Prosa und die handwerkliche Umsetzung als wichtigste Kriterien ein. Zudem wurden Spielidee und Rätseldesign bewertet, die Bewertung der Spieldauer floss nur marginal in die Note ein. Hier das Ergebnis, die Links verweisen zu den Reviews:
Platz 1: Michael Baltes - Ares (Note 1,5)
Platz 2: Jörg Rosenbauer - Absturzmomente (Note 2,2)
Platz 3: Christian Blümke - Mondbasis Palindrom II (Note 2,3)
Platz 4: Oliver Berse - Ein Fall in Jashpur (Note 2,6)
Platz 5: Raimund Seisenberger - Das Erbe (Note 3,0)
Platz 6: Mischa Magyar - die Hausaufgabe (Note 3,8)
Platz 7: Maik Beta - Das drakonische Grinsen (Note 5,0)
(Martin Barth, 22.04.2010)