
Glulx ist ein Z-Code Interpreter mit multimedialen Erweiterungen
Eine heiße Diskussion erhitzt derzeit in der Interactive
Fiction-Newsgroup die Gemüter der angelsächsischen IF-Szene, in der Begriffe wie "unverantwortlich", "amoralisch" und "kriminell" fallen: Wie weit dürfen die multimedialen Ausdrucksmöglichkeiten von Textadventures gehen? Es geht um Erweiterungen des
Glulx-Interpreters Glk für
Z-Code, der die Einbindung von Bildern, Sound und Videos vorsieht und in den letzten Jahren immer beliebter wurde. Sollen Textadventures ähnlich CSS-Styles in HTML beliebig gestaltbar sein?
Dafür spricht einiges: Abgesehen davon, dass Autoren diese freie Gestaltungsmöglichkeit schlichtweg wollen, wären dadurch ästhetisch ansprechende Spiele möglich, die außerdem neue Wege des Geschichten Erzählens eröffnen. Sie würden der verbreiteten Meinung entgegen wirken, die Spiele seien altbacken wennicht "out of date". Vor allem junge Leute könnten für Interactive Fiction-Projekte gewonnen werden.
Der Designer, Filmemacher und Interactive Fiction-Autor
Aaron A. Reed nimmt in seinem lesenswerten Blogbeitrag leidenschaftlich
Stellung zu den teilweise abstrusen Gegenpostionen in dieser Diskussion:
- Styles geben dem IF-Autor inakzeptable Kontrolle über das Computersystem – Für Reeds ein Argument von Freaks, das an der Realität der Textadventure-Spieler vorbeigeht.
- Styles ermöglichen Spiele abseits vom ästhetischen Empfinden des Spielers – Wie es eben auch seit Jahrzehnten bei Film und Fernsehen und ohnehin bei Grafikadventures üblich ist.
- Grafisch frei gestaltbare Textadventures schließen mit festgelegten Farben und Stilen Blinde aus – Reed selbst hat für seine IF-Spiele zwei blinde Betatester mit Screenreaders und sieht die Verantwortung analog zur Diskussion über barrierefreies Internet beim Autor, nicht in der Software.
- Multimedia-Textadventures erschwerden oder verhindern gar die Übertragung auf unkonventionelle Plattformen wie Smartphones – auch dies liegt in der Verantwortung des Autors: Wer 3D-Movies substanziell in seine Geschichte integriert weiß von vornherein, dass er das Spiel nur für den Teil der Gamer-Community schreibt, der 3D-Movies darstellen kann.
Reeds
Blogbeitrag und die
Newsgroup-Diskussion sind interessante und lesenswerte Diskussionen, die Einblicke in die zukünftige Entwicklung der Interactive Fiction-Projekte geben.